Verkehrssicherheit und Fahranfängervorbereitung
Aus Sicht der Verkehrssicherheit bereiten uns die aktuell diskutierten Reformpläne zur Fahrausbildung erhebliche Sorgen – insbesondere mit Blick auf die Fahranfängerausbildung. Fahranfängerinnen und Fahranfänger stellen seit jeher die unfallträchtigste Gruppe im Straßenverkehr dar. Gerade deshalb ist die Qualität ihrer Ausbildung ein zentraler Baustein der Präventionsarbeit und darf nicht primär unter Kosten- oder Vereinfachungsgesichtspunkten betrachtet werden.
Die vorgesehenen Maßnahmen – wie die weitgehende Verlagerung der theoretischen Ausbildung in das Selbststudium, die Reduzierung verbindlicher Ausbildungsinhalte und -umfänge, verkürzte Prüfungszeiten sowie die Öffnung der praktischen Ausbildung für Laien – schwächen aus unserer Sicht genau jene Elemente, die nachweislich zur Verkehrssicherheit beitragen: pädagogische Begleitung, systematische Gefahrenwahrnehmung, wiederholte Exposition gegenüber komplexen Verkehrssituationen und professionelle Rückmeldung durch qualifizierte Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer.
Fahrausbildung ist mehr als das Bestehen einer Prüfung. Sie vermittelt Einstellungen, Verantwortungsbewusstsein und Handlungssicherheit in Situationen, die für ungeübte Verkehrsteilnehmer lebensentscheidend sein können. Eine Ausbildung, die diese Aspekte zugunsten von Flexibilisierung und Kostensenkung zurückdrängt, riskiert, dass Defizite erst im realen Straßenverkehr sichtbar werden – dann jedoch ohne Schutzraum und ohne Korrektiv.
Wir sehen daher die Gefahr, dass die geplanten Änderungen nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu einer Verlagerung des Risikos führen: weg vom Ausbildungssystem und hin zu den Fahranfängern selbst – und damit letztlich zu Lasten aller Verkehrsteilnehmer.